Jakobs-Greiskraut: Plage im Saarland?

Blühendes Greiskraut

Wer kennt sie nicht: Die hochgewachsene Pflanze mit dem gelben Blütenkranz, die in Massen an Straßenrändern und auf Brachflächen wächst: Das Jakobs-Greiskraut oder Jakobs-Kreuzkraut. Auch in naturbelassenen Gärten behauptet das Kraut seinen Platz. Der gewohnte Anblick darf nicht täuschen: Es gehört zu den giftigsten Gewächsen, die unsere heimische Natur zu bieten hat. Die Pflanze enthält in allen Teilen ein hochgiftiges Alkaloid, ein Pyrrolizidinalkaloid, das vor allem auf die Leber einwirkt. Das Gift dringt sogar durch die Haut, so dass man beim Entfernen der Pflanze dichte Handschuhe anziehen sollte. Die stärkste Anreicherung des Giftes findet sich in den Blüten, was bedeutet, dass auch Honig kontaminiert werden kann. Vor allem die Imker sind daher sehr verunsichert.

Das Jakobs-Greiskraut gehört zur Gattung Greiskraut mit über 1200 Arten weltweit, die meisten ähnlich giftig wie das Jakobs-Greiskraut. Trotz des massenhaften Vorkommens ist es nicht eingeschleppt worden, sondern eine einheimische Pflanze. Auch schwankt die Dichte des Vorkommens in einem Jahr. So hat mal wohl auch schon früher gelernt, mit dieser hochgiftigen Pflanze einigermaßen zurechtzukommen.

Rinder und Pferde fressen auf der Weide keine entwickelten Greiskräuter, denn sie sind bitter. Im Heu allerdings verliert sich die Bitterkeit, was zum Tod der Tiere führen kann. Schafe und Ziegen vertragen etwas mehr vom Jakobs-Greiskraut, Kaninchen scheinen aufgrund ihres Stoffwechsels resistent zu sein. Für den Menschen sind vor allem neben Honig auch mit Greiskraut verseuchte Kräutersamen und –tees gesundheitlich bedenklich. So können Rucolablätter leicht Greiskrautblättern verwechselt werden.

Bodenrosette des Greiskrauts

Allerdings kann man das Jakobs-Greiskraut relativ sicher bestimmen: Die Pflanze ist zwei-, manchmal auch mehrjährig. Im ersten Jahr keimt der Samen und bildet eine Blattrosette. Die Blätter sind anfangs rundlich und nur leicht gewellt, so dass sie mit Rucola oder Breitwegerich verwechselt werden können. Im zweiten Jahr entwickelt das Kraut einen kräftigen Stamm, auf dessen Krone die gelben Blütenkörbchen sitzen. Strahlig angeordnete Blütenblätter umgeben die gelben Blütenböden. Der Stamm ist in der Basis lila-rötlich gefärbt. Die Blätter sind nun fiederteilig (Fachjargon), was übersetzt bedeutet, sie sind länglich und haben tiefe Einkerbungen. Sie erinnern ein wenig an Grünkohl.

Blüte des Greiskrauts

Genauere Untersuchungen und Empfehlungen sind noch lückenhaft. Nach Angaben des zuständigen Bundesinstituts für Risikobewertung bestehen für das Problem Greiskräuter noch keine ausreichenden Erkenntnisse. So ist die Analyse aufgrund der komplexen Struktur des Giftes sehr schwierig. Einheimischer Honig ist leicht kontaminiert, ausländischer Honig teilweise um ein Vielfaches stärker. Es ist bekannt, dass Weidetiere an größeren Mengen des Jakobskreuzkrauts sterben, aber die Auswirkungen geringer Mengen auf Menschen ist unbekannt. Insbesondere die Entstehung von Leberkrebs ist noch nicht ausreichend erforscht. Dazu liegen zu wenig verifizierbare Langzeitbeobachtungen vor. Wegen dieser Unsicherheiten gilt das Non-Toleranz-Prinzip: Menschen sollen das Gift konsequent meiden.

Landwirtschaftliche Institutionen empfehlen, Weiden zweimal zu mähen und zwar idealerweise kurz vor der Blüte. Damit wird das Greiskraut am Aussamen gehindert und verschwindet damit allmählich.

Alles Böse hat auch immer etwas Gutes: Das Kraut ist eine Nahrungspflanze für die prächtigen orange-schwarz gestreiften Raupen des Schmetterlings Jakobskrautbär. Sie reichern sich mit dem Gift an und wirken toxisch auf Fressfeinde, die daher die Raupen meiden.