Störfälle bei Dillinger Hütte: Grüne fordern Sondersitzung des Stadtrates

Vor dem Hintergrund des erneuten Zwischenfalls bei der Dillinger Hütte fordern die Grünen im Stadtverband eine Sondersitzung des Saarlouiser Rates in der kommenden Woche. Dazu müsse sowohl das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) als auch der Vorstand der Dillinger Hütte einberufen werden, um die Bevölkerung im Detail über die Schadensereignisse und ihre möglichen Gesundheitsauswirkungen zu informieren.

Hierzu erklärt der Vorsitzende der Grünen im Stadtverband Saarlouis, Hubert Ulrich:

„Angesichts der Häufung von Zwischenfällen bei der Dillinger Hütte erwarten wir umgehend eine restlose Aufklärung seitens des Unternehmens. Schließlich steht hier die Frage im Raum, ob durch die austretenden Emissionen eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung ausgeht. Nachdem es bereits am 18. August zu einem Störfall gekommen ist, gab es im Laufe des 20. September mehrere laute, explosionsartige Knallgeräusche. Die bisherigen Erklärungen seitens des Vorstands der Dillinger Hütte – auch in der vergangenen Stadtratssitzung – sehen wir als reine Beschwichtigungstaktik. Angesichts der Tatsache, dass es nun innerhalb eines Monats mehrere Zwischenfälle gegeben hat, mutet die im Stadtrat aufgestellte Behauptung seitens des Unternehmens, der Störfall am 18. August sei in Folge eines Computerfehlers entstanden, unglaubwürdig an.

Darüber hinaus hatte das Landesamts für Umwelt- und Arbeitsschutz im Nachgang des Zwischenfalls im August lediglich drei Proben genommen, wobei hier nicht einmal Dioxin und die Partikelgröße des Feinstaubs gemessen wurden. Insgesamt ist nur eine der Proben tatsächlich zu gebrauchen, und die hat eine Belastung mit polycyclischen aromatische Kohlenwasserstoffen (PAK) ergeben – zwar unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte, aber dennoch stellen diese eine Belastung dar. Auch Eisenoxyd- und Schwefelanteile wurden nicht gemessen. Kurzum: Hier wurde reiner Dilettantismus betrieben. Eine verlässliche Aussage über mögliche Gesundheitsgefahren kann aufgrund dieser Messungen nicht getroffen werden. Uns drängt sich der Eindruck auf, dass das wahre Ausmaß der Umweltbelastungen vertuscht und das Unternehmen Dillinger Hütte in jedem Fall geschützt werden soll. Vor diesem Hintergrund erwarten wir von Umweltminister Reinhold Jost, sich unverzüglich dieser Sache anzunehmen und umgehend verwertbare Messungen zu veranlassen.

Auch bezüglich des erneuten Vorfalls wird die Bevölkerung fast vollkommen im Dunkeln gelassen. In der aktuellen Pressemitteilung des Unternehmens Dillinger Hütte heißt es dazu lediglich, dass in Folge des Ereignisses „temporäre Maßnahmen zur Stabilisierung des Hochofengangs“ durchgeführt werden und es demnach zu sicht- und hörbaren Emissionen kommen könne. Doch welche Stoffe beinhalten diese Emissionen genau?
Es ist jedenfalls damit zu rechnen, dass es sich um ein schwerwiegendes Ereignis handelt, denn am späten Nachmittag des 20. September hat die Dillinger Hütte mit Blick auf schwangere Frauen veranlasst, dass alle weiblichen Beschäftigten die Arbeit niederlegen und nach Hause gehen.

Statt kryptischer Erklärungen seitens des Unternehmens haben die Bürgerinnen und Bürger in Saarlouis und Dillingen endlich harte Fakten verdient, zumal es hier auch um ihre Gesundheit geht. Außerdem muss geklärt werden, inwiefern der Gemüseanbau, unter anderem in der Lisdorfer Aue, betroffen sein könnte. Wir erwarten, dass die jetzt entstehenden Emissionen eingehend von LUA und der Dillinger Hütte untersucht werden und fordern die Einberufung einer Sondersitzung des Stadtrates Saarlouis in der kommenden Woche. Dort sollen sowohl das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz sowie der Vorstand der Dillinger Hütte über die Auswirkungen des Zwischenfalls und die Messergebnisse berichten.“

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